Angst vor Veränderung – wie wir sie überwinden können
Die Angst vor Veränderungen gehört zum Leben. Es ist normal, dass wir an Gewohntem festhalten. Und das tun wir auch dann, wenn wir dieses Gewohnte nicht unbedingt lieben – einfach weil es vertraut ist.
Auch wenn uns bestimmte Situationen im Leben nerven und wir über sie schimpfen, ändern wir sie nicht. Denn hier wissen wir wenigstens, woran wir sind. Dagegen ruft die Vorstellung, etwas entscheidend zu verändern, bei vielen Angst und Zweifel hervor.
Vielleicht kennen Sie so eine Situation auch:
Sabine (53) sitzt seit Tagen vor ihrer fertigen Bewerbung. Eigentlich müsste sie nur noch auf „Senden“ klicken. In den letzten Monaten ist sie zunehmend unglücklich in ihrem Job geworden und wünscht sich eine neue Herausforderung.
Doch jedesmal, wenn sie den Mauszeiger über den Button bewegt, kommen dieselben Gedanken:
„Vielleicht bin ich doch schon zu alt“
„Was ist, wenn ich den Anforderungen nicht gewachsen bin?“
„Und wenn ich die Entscheidung bereue?“
Also schließt sie unverrichteter Dinge den Computer – mal wieder.
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Der Wunsch nach Veränderung ist da. Aber irgendetwas hält uns zurück.
Angst vor Veränderung ist normal
Viele Menschen glauben, sie seien nicht mutig genug.
Dabei reagiert ihr Gehirn einfach genauso, wie es soll.
Unser Gehirn liebt Sicherheit. Alles, was vertraut ist, lässt sich gut einschätzen und kostet wenig Energie.
Das gilt selbst dann, wenn man in der gewohnten Situation nicht mehr glücklich ist.
Alles Neue und Unbekannte hingegen fühlt sich erstmal unsicher an. Außerdem ist es unbequem und anstrengend.
Und in diesem Moment reagiert ein sehr archaischer Teil des Gehirns: der sog. Mandelkern. Davon haben wir zwei. Sie haben die Funktion, auf Gefahren hinzuweisen. Man könnte sie salopp als Rauchmelder im Gehirn bezeichnen.
Sie leiten die Stressreaktion ein. Die fühlt sich nicht nur körperlich sehr unangenehm an – wir können leider auch nicht mehr gut denken. Der Bereich unseres Gehirns, der vernünftige Entscheidungen trifft und kreative Lösungen findet, arbeitet unter Stress viel schlechter.
Deshalb fühlen sich viele von uns durch die Angst vor Veränderung wie gelähmt.
Es ist, als hätten wir einen Bewahrer unseres gewohnten Ichs in uns. Sobald etwas nach Veränderung aussieht, schlägt er Alarm. Dabei will er uns nur beschützen.
Aber wovor eigentlich?
Was steckt hinter der Angst vor Veränderung?
Die meisten, die die Veränderung fürchten, haben Gedanken wie:
- „Ich kann scheitern“
- „Was ist, wenn ich meine Entscheidung bereue?“
- „Was verliere ich, wenn ich diesen Schritt gehe?“
- Ich bin nicht gut genug, um das zu meistern“
Hinter solchen Gedanken stecken alte Erfahrungen oder Glaubenssätze, die wir irgendwann im Leben entwickelt haben.
Es können auch „Familiengesetze“ sein, d.h. wir haben unbewußt etwas von anderen übernommen.
Und da tritt der Bewahrer unseres Ichs auf die Bremse.
Dabei ist dieser Teil der Persönlichkeit kein Gegner. Er versucht nur, Sie vor Fehlern oder Enttäuschungen zu bewahren. Nur leider arbeitet er mit alten Informationen.
Es lohnt sich also auf jeden Fall, ihm zuzuhören – aber nicht automatisch auf ihn zu hören.
5 Wege, um mit Veränderungen besser umzugehen
Vielleicht wünschen Sie sich schon lange, mutiger zu sein. Statt Angst vor Veränderung zu haben möchten Sie lieber neugierig und kreativ auf Neues zugehen.
Aber dieser innere Anteil, der Bewahrer Ihres Ichs stoppt Sie. Seine Aufgabe ist es, alles so zu lassen, wie es bisher war.
Er hält an Gewohnheiten fest, erinnert Sie an frühere Enttäuschungen und flüstert Ihnen zu: „Bleib lieber wo du bist. Da kennst du dich wenigstens aus.“
Dabei meint er es eigentlich gut. Er möchte Sie vor Fehlern, Ablehnung oder Verletzungen schützen. Das Problem ist nur: Während er Sie vor möglichen Risiken bewahren will, verhindert er oft auch, dass Sie neue Erfahrungen machen und über sich hinauswachsen.
Die gute Nachricht ist: Sie müssen diesen Teil nicht bekämpfen oder loswerden. Viel hilfreicher ist es, ihn zu verstehen und ihm zu zeigen, dass Sie heute nicht mehr dieselbe Person sind wie damals. Mit jedem kleinen Schritt, den Sie bewusst gehen, wächst das Vertrauen – und der Bewahrer des alten Ichs kann nach und nach lernen, dass Veränderung nicht automatisch Gefahr bedeutet.
Die folgenden fünf Impulse helfen Ihnen dabei, genau diesen inneren Dialog zu verändern und Veränderungen mit mehr Gelassenheit und Zuversicht zu begegnen.
1. Lernen Sie Ihren Gewohnheitshüter kennen
Der erste Schritt besteht darin, diesen inneren Anteil überhaupt wahrzunehmen. Vielleicht kennen Sie seine Stimme schon, ohne es zu wissen. Die sagt Dinge wie:
„Das schaffst du nicht.“
„Na, wenn das mal nicht schief geht…“
„Wenn du das bereust, gibt es keinen Weg mehr zurück.“
Jetzt geben Sie diesem Anteil auch mal eine Gestalt. Stellen Sie sich vor, der steht jetzt vor Ihnen. Wie sieht er aus? Und wie geht es ihm?
Bei all dem machen Sie sich nochmal klar: Er will für Sie das Beste.
Und nun fragen Sie ihn: „Wovor willst du mich beschützen?„
Und dann lassen Sie alles zu, was da kommt. Das können Sätze sein wie „Vor einer Enttäuschung“ oder „Vor einer Blamage“. Es kann aber auch sein, dass Ihnen auf einmal alte Erinnerungen kommen, wo Veränderung nicht gut lief.
Notieren Sie am besten alles.
2. Geben Sie Ihrem Bewahrer Sicherheit und Vertrauen – statt Druck
Wer auf den ganzen großen Berg schaut, verliert schnell den Mut. Denn je mehr wir uns unter Druck setzen, desto nachdrücklicher meldet sich der Gewohnheitshüter.
Deshalb müssen Veränderungen nicht mit einem riesigen Sprung beginnen.
Suchen Sie stattdessen den kleinsten Schritt, den Sie heute gehen können.
Vielleicht informieren Sie sich erst einmal.
Oder Sie führen ein Gespräch.
Eine kleine Veränderung überfordert Ihren Gewohnheitshüter nicht. Allmählich kann er sich mit dieser Sache anfreunden, die sich jetzt ändern soll.
3. Zeigen Sie Ihrem Gewohnheitshüter, wie Ihre Zukunft aussehen kann
Unser Bewahrer schaut fast ausschließlich zurück.
Er erinnert sich an alles, was einmal schwierig war.
Mit einer NLP-Technik, der Future Pace, richten wir den Blick bewusst nach vorne.
Schließen Sie für einige Minuten die Augen und stellen Sie sich vor, ein Jahr ist vergangen.
Sie haben die Angst vor der Veränderung überwunden und den Schritt gewagt.
Vielleicht arbeiten Sie inzwischen in einem Beruf, der Sie erfüllt.
Vielleicht haben Sie eine Entscheidung getroffen, die Sie lange vor sich hergeschoben haben.
Schauen Sie sich selbst in dieser Zukunft an. Erleben Sie sie mit allen Sinnen.
Wie bewegen Sie sich?
Wie sprechen Sie?
Wie fühlen Sie sich?
Unser Gehirn liebt Erfahrungen. Je lebendiger Sie sich diese Zukunft vorstellen, desto vertrauter wird sie. Und was vertraut ist, empfindet unser Nervensystem als sicherer.
Und diesen „Probespaziergang in die Zukunft“ machen Sie immer wieder mal.
4. Lassen Sie ihren Gewohnheitshüter zur Ruhe kommen
Eine wunderbare Möglichkeit hierfür ist die wingwave-Musik.
Sie können Sie über den Link im wingwave-Shop kaufen oder sich die wingwave-App runterladen, auf der Sie ein kostenloses Stück verwenden können.
Und nun setzen Sie Kopfhörer auf. Für die Wirkung der bilateralen Klänge ist das notwendig.
Schauen Sie sich Ihren Gewohnheitshüter nochmal an. Was strahlt er aus? Hat er Angst? Ist er wie gelähmt? Oder sogar wütend über so viele neue Ideen?
Spüren Sie in sich rein, wo Ihr Körper auf diese Emotionen reagiert. Während Sie die wingwave-Musik hören, lassen Sie Ihren inneren Bewahrer auf sich wirken. Nach wenigen Minuten kann es gut sein, dass er gelassener wirkt – einfach weil Sie selbst zur Ruhe kommen.
5. Laden Sie Ihren Gewohnheitshüter ein, mit Ihnen zu wachsen
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und denken Sie an drei Situationen, in denen Sie mutig waren.
Das müssen keine lebensverändernden Momente gewesen sein – aber eben Situationen, in denen Sie hinterher stolz auf sich waren. Spüren Sie noch einmal den Mut und den Stolz in Ihrem Körper. Wo fühlt sich das in Ihnen besonders gut an?
Je mehr Sie sich mit solchen Momenten in Ihrem Leben beschäftigen, desto mehr profitiert auch Ihr innerer Gewohnheitshüter davon.
Und dann hütet er andere Gewohnheiten: zum Beispiel die, Veränderungen anzunehmen und mutig Schritt für Schritt zu managen.
Fazit
Veränderungen fühlen sich selten bequem an.
Sie fordern uns heraus, alte Gewohnheiten loszulassen und neue Wege zu gehen.
Doch genau darin liegt auch ihre Chance.
Jede Veränderung beginnt mit einem ersten Schritt – und nicht mit einem perfekten Plan.
Sie beginnt mit der Entscheidung, der eigenen Zukunft mehr Vertrauen zu schenken als den Befürchtungen der Vergangenheit.
Wenn Sie merken, dass Ihre Angst Sie immer wieder ausbremst, müssen Sie diesen Weg übrigens nicht allein gehen. Oft reichen schon wenige Coachingsitzungen aus, um emotionale Blockaden zu lösen und wieder mit Zuversicht nach vorne zu blicken.